Das Gemeindeentwicklungs-Konzept

1. Zum Auftakt

Zeiten rasanter wirtschaftlicher und struktureller Veränderungen gehen auch an den Städten und Gemeinden nicht spurlos vorüber. Die angespannte Finanzlage, komplizierter werdende gesellschaftliche und politische Problemlagen und nicht zuletzt auch der immer härter werdende Wettbewerb zwischen den Städten und Gemeinden um Einwohner, Besucher, Gäste, Industrie- und Gewerbebetriebe zwingen die Kommunen, ihren Standort neu zu bestimmen und Ziele für die zukünftige Entwicklung zu erarbeiten.

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2. Kurze "kommunale Bestandsaufnahme"

Das "Sich-beschäftigen-mit-Zukunftsfragen" ist in vielen Städten und Gemeinden unseres Bundeslandes kein neues Thema. Denn es sind häufig Institutionen und Gruppierungen vorhanden, die sich Gedanken um jeweils "spezielle örtliche Zukunftsfragen" machen. Sie leisten wertvolle und wichtige Beiträge für Teilbereiche des "örtlichen öffentlichen Gemeinwohls". Dafür gebührt ihnen Respekt, Lob und Anerkennung.

Was aber zumeist fehlt, ist
* die Bündelung der verschiedenen Interessen, Kräfte und Vorstellungen
sowie
* die Verpflichtung im Sinne einer Einigung auf ein gemeinsames Ziel.

Denn: Für die Außenwirkung einer Stadt oder Gemeinde ist entscheidend, dass sie sich in den Augen Dritter (externer und interner Betrachter) als "Einheit, als ein Gebilde aus einem Guss" darstellt.

Hier spielt der den Marketingexperten wohlvertraute Begriff "Unique Selling Proposition" (= USP) eine herausragende Rolle. Er bezeichnet die faktische (= tatsächliche) Alleinstellung eines Produktes am Markt - auch als "Alleinstellungsmerkmal" bekannt. Gelegentlich wird auch von einer „Positionierung“ gesprochen. Hier geht es darum, die Abgrenzung seines Angebots zu den Mitbewerbern und seine Hervorhebung gegenüber Abnehmern (Bürgern, Kunden, Gästen, Besuchern u.a.) darzustellen.

Das Gemeindeentwicklungs-Konzept, auf das im folgenden näher eingegangen werden soll, ist ein solches Instrument, um ein "kommunales Alleinstellungsmerkmal" zu entwickeln. Dies haben inzwischen viele bundesdeutsche Kommunen erkannt und sich entsprechende Stadt- bzw. Gemeindeentwicklungs-Konzepte "zugelegt". Oft werden dafür auch Begriffe wie Stadt- bzw. Gemeindeleitbild, Kommunalmarketing-Konzept oder Masterplan verwendet.

 

3. Begriff und Funktionen des "Gemeindeentwicklungs-Konzepts"

Das Gemeindeentwicklungs-Konzept ist

  • ein Zukunftsbild im Sinne einer Wunschvorstellung,
  • mit dem eine Stadt oder Gemeinde gegenüber ihrer Klientel (insbesondere den Einwohnern, Gästen, Besuchern und auswärtigen Nutzern sowie Investoren)
  • ihren angestrebten zukünftigen Zustand (= Ziele) aufzeigt.

Von der "Vision" unterscheidet sich das Gemeindeentwicklungs-Konzept dadurch, dass es neben dem "Blick in die Zukunft" zugleich auch Wege und Maßnahmen beschreibt, wie eine Gemeinde die Ziele ihrer künftigen Entwicklung auch tatsächlich erreichen kann.

Das Gemeindeentwicklungs-Konzept hat vor allem fünf grundlegende Funktionen:

Identifikations-Funktion
Es erhöht und verbessert die Identifikation der Einwohner und der örtlichen gesellschaftlichen Gruppen (z.B. Vereine) mit "ihrer" Stadt oder Gemeinde. Oder um es anders auszudrücken: Es entsteht ein „Wir-Gefühl“.

Motivations-Funktion
Die mit dem Gemeindeentwicklungs-Konzept vermittelte Zukunftsvision ("Was wollen wir?") hat eine sehr stark anregende und aufregend interessante Wirkung, die zum "Mitmachen" und "Mitgestalten" animiert.

Legitimations-Funktion
Ein solches Gemeindeentwicklungs-Konzept trägt dazu bei, das Handeln der Kommune nach innen (gegenüber den Bewohnern) und nach außen (gegenüber Besuchern, Gästen, Nutzern, Investoren) zu begründen und zu rechtfertigen. Es ist also eine Art "Sinngebung des künftigen öffentlichen Handelns".

Orientierungs-Funktion
Das Gemeindeentwicklungs-Konzept ist zugleich eine wichtige, unverzichtbare "Zielvorgabe" im Sinne einer Orientierung, das unser Handeln zielbestimmt leitet.

Transparenz-Funktion
Mit dem Gemeindeentwicklungs-Konzept zeigt die Kommune in der Öffentlichkeit ihre Ziele auf, sie wird also ein Stück durchschaubarer und berechenbarer und damit letztendlich auch glaubwürdiger. Vor allem in Zeiten allgemeinen Misstrauens gegenüber der "Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik" kommt dieser Funktion ein besonders Gewicht zu!

 

4. Die vier Bausteine eines Gemeindeentwicklungs-Konzeptes

Ein Gemeindeentwicklungs-Konzept besteht aus den folgenden vier Bausteinen:

Präambel
In dem Vorwort werden Anlass, aktuelle Situation, Ziele, methodische Vorgehensweise und die an der Erstellung Beteiligten genannt.

Kernleitbild
Es enthält eine knapp gefasste Aussage in der Form eines einprägsamen Slogans. Möglichst in einem Satz soll zum Ausdruck kommen, wie sich die Stadt oder Gemeinde in Zukunft sehen will.

Nachstehend werden einige Beispiele von anderen Städten und Gemeinden genannt:

  • In Schramberg Schwarzwald-Qualität erleben
  • Mundelsheim - Wir packen gemeinsam unsere Zukunft an
  • Aalen - Eine Stadt so frisch wie das Leben: Römisch-schwäbisch-guad
  • Friedrichshafen - Dynamisch-lebenswert-zukunftsorientiert: Visionen für das Friedrichshafen von morgen
  • Gera - Die Stadt zum Leben
  • Öhringen - D a s Schlüsselerlebnis im Hohenloher Land
  • Koblenz - Magnet am Deutschen Eck: Die Stadt zum Bleiben
  • Rechberghausen - Lebenswert, naturnah und bürgerfreundlich - Gut - besser
  • Gaildorf-Güglingen - Ein starkes Stück Zabergäu

Handlungsfelder
Sie - auch Oberziele genannt - beschäftigen sich mit den Aufgabenschwerpunkten der Kommune. Hier werden - je nach Stadt bzw. Gemeinde - Aussagen gemacht beispielsweise zu den Themen:

  • Stadt- bzw. Gemeindeentwicklung einschließlich Stadt- bzw. Ortsmitte, Verkehr, Wohnen und Umwelt sowie Konsequenzen des demografischen Wandels
  • Einkaufen, Dienstleistungen, Gewerbe, Handel, Handwerk und Industrie
  • Landwirtschaft, Weinbau, Naherholung, Tourismus
  • Kultur, Bildung, Freizeit, Sport
  • Soziales (Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren, Behinderte, Migranten)

Jedes Handlungsfeld besteht aus einem Leitsatz, mehreren Strategischen Zielen und einem Maßnahmenkatalog.

Nachwort
In ihm soll deutlich gemacht werden, dass ein einmal erarbeitetes Gemeindeentwicklungs- Konzept nicht statisch sein darf, sondern immer wieder aktualisiert und fortgeschrieben werden muss.

 

5.  Entstehungsprozess eines Gemeindeentwicklungs-Konzeptes

Ziel des Entstehungsprozesses muss es sein, aus Betroffenen Beteiligte zu machen!

Arbeitsteilung

In der Praxis hat sich bei der Erstellung eines Gemeindeentwicklungs-Konzeptes die folgende Arbeitsteilung zwischen dem Gemeinderat und der Bürgerschaft bewährt:

Die Bürgerschaft
erarbeitet Vorschläge und Ideen zur künftigen Entwicklung der Gemeinde und fasst diese in einem Schlussbericht zusammen und legt ihn dem Gemeinderat vor.

Der Gemeinderat 
berät - im Beisein der an dem Projekt beteiligten Bürgerinnen und Bürger - über den Schlussbericht und entscheidet über das weitere Vorgehen

Organisation der Bürgerbeteiligung

Auftaktveranstaltung
Hier werden - das Projekt „Gemeindeentwicklungs-Konzept“ vorgestellt, - der Vorgehens- und Zeitplan erläutert,- organisatorische Fragen geklärt und- die Bürgerinnen und Bürger zum "Mitmachen" aufgerufen!

Projektarbeit
Die Bürgerbeteiligung soll in der Form einer Bürgerwerkstatt erfolgten. Diese Bürgerwerkstatt kann

- entweder als "Wochenend-Workshop"
- oder an 5 - 6 Abendsitzungen tätig werden. 

Die Projektarbeit der Bürgerwerkstatt findet in den nachstehend skizzierten vier Schritten statt: 

1. Bestandsaufnahmemit einer Auflistung der erkannten Stärken - Schwächen - Chancen – Risiken
2. Bestimmung wichtiger Handlungsfelderim Sinne von Aufgabenschwerpunkten
3. Für jedes Handlungsfeld- Definieren von strategischen Zielen- Erarbeiten von Maßnahmen zur Zielerreichung- Inhaltliches und zeitliches Priorisieren jeder einzelnen Maßnahme- Formulieren eines Leitsatzes
4. Entwicklung einer (realistischen) Visionin der Form eines einprägsamen Slogans

Die in der Bürgerwerkstatt tätigen Bürgerinnen und Bürger werden durch ein Moderatoren-Team fachwissenschaftlich begleitet und unterstützt.